Chronik des Theaterclub ELMAR e.V.

Bewegte Geschichte eines 1911 gegründeten Vereins


1911
Das Jahr 1911 ist ein sehr ereignisreiches, die ersten Menschen erreichen den Südpol, die erste Frau erhält in Deutschland eine Pilotenlizenz, Holywood nimmt die Arbeit auf und in München werden die Kammerspiele eröffnet. Interessant für Offenbach ist in diesem Jahr, dass der „Theaterclub ELMAR“ aus der Taufe gehoben wird. Doch, wieso kam es dazu? Was ist die Ursache?

Im März 1911 wird eine Wohltätigkeitsveranstaltung, das Schauspiel „Elmar“ oder „Der Herr vom Habichtshof“, gebracht. Der Autor war Dr. Josef Faust, welcher aus dem Epos „Dreizehnlinden“ von 1878 des Arztes Friedrich Wilhelm Weber jenes Stück verfasste, welches sich mit der Einführung des Christentums in Sachsen befasst. Die Spieler, allesamt junge Menschen, kommen aus verschiedenen katholischen Pfarreien in Offenbach. Zweimal wird jenes Schauspiel im katholischen Vereinshaus „Schützenhof“ in der Herrnstraße aufgeführt. Die Presse lobt die gute Deklamation sowie „die neue elektrische Bühnenbeleuchtung mit ihren Farbeffekten“. Im Spaß am Bühnenspiel, an den regelmäßigen Zusammenkünften und der Geselligkeit vereint beschließt man auch weiterhin zusammen zu bleiben und zu spielen. 

Auf Initiative unseres „Vater Busch“, damals 38 Jahre alt, einigt man sich darauf, einen Theaterverein zu gründen und traf sich hierzu am 3. Mai 1911 im Schützenhof. Zusammengekommen durch das Schauspiel „Elmar“ einigen sich die rund 35 Gründungsmitglieder bald auf den Namen „Theaterclub ELMAR“ für den neuen Theaterverein in Offenbach.

Das erste Stück als Theaterclub war am 10.09.1911 das Schauspiel „Schatten der Schuld“ von Houben. Mit „Vater Busch“ hat der Verein einen Regisseur, welcher in seinen Wanderjahren in England viel von Schauspielern gelernt hatte. So meldet die Presse: „Dank der Regie von Joseph Busch hätte es bei einem Berufstheater nicht besser sein können!“. Im Dezember des gleichen Jahres inszeniert „Vater Busch“ das erste Weihnachtsmärchen mit rund 50 Akteuren, Gesang und Tanz. Dreimal ist der 600 Plätze große Saal bei jener Inszenierung gefüllt.

 

1914
„Elmar“ ist zu einer Institution in Offenbach geworden und die Aufführungen stets gut besucht, als bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges der Spielbetrieb eingestellt werden muss.

 

1919
Mit dem Schwank „Der Raub der Sabinerinnen“ kehren die Elmarianer nach den Schrecken des Krieges wieder auf die Bühne zurück. Zahlreiche Lücken hatte der Krieg geschlagen, die nur langsam wieder gefüllt wurden, auch zu diesem Zwecke wird der Konfessionszwang des Vereins aufgehoben. An jedem Donnerstag kommen die Mitglieder zusammen, weniger als Versammlung als viel mehr zur Pflege der Geselligkeit.

 

1922
Kurz vor der Premiere des Volksstückes „Die Lieder des Musikanten“ wird die öffentliche Aufführung polizeilich verboten. Innerhalb von etwa zwei Wochen wirbt der damalige Vorsitzende Karl Höfling über 100 treue Theaterbesucher als „passive Mitglieder“ und aus der Aufführung wird eine „geschlossene Mitgliederversammlung“, so dass jenes polizeiliche Verbot nicht greift. Jene Praxis soll noch viele Jahre so weiter geführt werden und ist lange Zeit die finanzielle Grundlage des Vereins. Im gleichen Jahr wird dieser durch die Regierung des Landes Hessens als volksbildend und gemeinnützig anerkannt.

 

1927
ELMAR-Gründungsmitglied Franz Becka macht aus dem Schützenhof ein kommerziell geführtes Theater, das „Offenbacher Neue Theater“, an welchem sich auch ELMAR beteiligt.

 

1931
Als der ehemalige Schützenhof in ein Lichtspielhaus umgebaut wird, finden die Elmarianer bei der Turngesellschaft Offenbach in der Sprendlinger Landstraße eine neue Spielstätte. Hier findet man eine große Bühne mit Schnürboden vor und kann in den Räumlichkeiten erstmals einen großen Bestand an Kulissen halten. Zum Jubiläum wird Goethes „Clavigo“ inszeniert.

 

1933
Wie viele Vereine wird auch ELMAR gleichgeschaltet und erhält einen kommissarischen Leiter, welcher den Vorstand zum Beiwerk degradiert. Der Spielbetrieb muss nun immer auch den Interessen der Partei dienen.

 

1936
Zum 25 jährigen Jubiläums ist der Verein nicht in der Lage, ein den Parteiinteressen dienliches Stück zu inszenieren. Es spielen die Bundesfreunde aus Bad Homburg „Wo die Schwalben nisten“, und die Philharmonie Fechenheim übernimmt den musikalischen Teil.

 

1939
Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges muss der Verein erneut die Pforten für unabsehbare Zeit schließen.

 

1941
An eine Feier zum Jubiläum ist nicht zu denken, lediglich im engsten Kreis trifft man sich im privaten Rahmen. Den fern der Heimat verweilenden Clubkameraden wird die Zusammenkunft per Post mitgeteilt. So kann eine geistige Verbindungen mit den fernen Freunden hergestellt werden. Es war eine feierliche und ernste Stunde. Feldpostbriefe zeigen, dass jene Gedankenverbindung auch gelungen war.

 

1946
Joseph Busch und Karl Höfling müssen von Neuem beginnen, Kulissen und Garderobenfundus sind ein Raub der Flammen geworden, der Saal der TGO ist zerstört und zahlreiche ELMARIANER haben den Wahnsinn des Dritten Reiches nicht überlebt. Im Saal der „Loge Charlotte zur Treue“ findet man eine neue Spielstätte und kann nun vor jeweils 200 Zuschauern spielen. Im November wird mit „Willis Frau“ der Spielbetrieb wieder aufgenommen.

In den folgenden Jahren werden die sechs Inszenierungen, bedingt durch die hohe Zahl an passiven Mitgliedern, an je fünf Abenden gespielt, zusätzlich dazu ab 1956 alljährlich noch ein Märchen. Insbesondere in der kalten Jahreszeit werden die passiven ELMARIANER nicht nur zum Mitführen des Mitgliedsausweises, sondern auch zum Mitbringen von Brennmaterial für die Saalheizung angehalten.

 

1951
Erstmals spielt ELMAR, auf Einladung der Stadt, kostenfrei auf der Bühne des Theaters an der Goethestraße, welches vor dem Krieg die jüdische Synagoge Offenbachs gewesen war.

 

1956
Im Alter von 82 Jahren wird Vater Busch in Anerkennung seiner besonderen Dienste im kulturellen Leben Hessens mit der Goetheplakette des Landes Hessens ausgezeichnet. Dies ist eine Auszeichnung, welche sonst nur Berufskünstlern zuteil wird.

 

1961
Zum 50ten schenkt die Stadt dem Verein zwei Spielabende im Theater an der Goethestraße, es wird „Der doppelte Moritz“ gegeben.
Im Rahmen des Jubiläums wird in der Loge ein Stück mit viel Lokalgeschichte gegeben: „Die Offenbacher Fracht“.

 

1966
Mit 92 Jahren stirbt Elmargründer Joseph Busch. Seine Persönlichkeit, sein Engagement, seine Strenge und sein steter Einsatz für den Verein haben ihm den liebevollen Namen „Vater Busch“ eingetragen.

 

1968
Nach 22 Jahren muss ELMAR Abschied nehmen von der Bühne der Loge. „Ingeborg“ ist das letzte Stück, welches vor dem Abriss des Gebäudes aus baupolizeilichen Gründen gegeben wird. Nach langen Verhandlungen über die Finanzierung kann der Spielbetrieb im Theater an der Goethestraße weitergeführt werden.

 

1971
Der Theaterclub Elmar besteht nur noch aus 14 Aktiven. Klaus Walther, neuer Jugendleiter, gründet eine neue Jungendgruppe um den Fortbestand des Vereins zu sichern.

 

1975
Übernimmt Erwin Klemenz das Amt des 1. Vorsitzenden, Klaus Walther wird 2. Vorsitzender und übernimmt nach Robert Eitel die Spielleitung.

 

1976
Zum 65ten schenkt sich der Verein sein erstes eigenes Clubheim in der Birkenlohrstraße 19. Aus dem ehemaligen Schuhladen wird ein Vereinsheim mit Probenbühne und Raum für Feierlichkeiten und Versammlungen. Damit endet die jahrzehntelange Odyssee durch Offenbacher Schulen und Gaststätten, wo man nicht immer ein gerne gesehener Gast war.

 

1978
Elmar inszeniert zum ersten Mal eine Märchenrevue (Regie: Klaus Walther) mit eigener Musikband unter der Leitung von  Hans Neubeck. Nach sieben ausverkaufen Vorstellungen im Theater an der Goethestraße geht Elmar mit der Märchenrevue auf  Tournee. Die Einnahmen sichern die Anmietung einer neuen Werkstatt für den Kulissenbau.

 

1979
Unter der Leitung von Hans Neubeck wird eine neue Aufbaugruppe ins Leben gerufen, und die bis dahin jüngste Kindergruppe der Vereinsgeschichte wird gegründet.

 

1985
In Zusammenarbeit mit der Geschwister Scholl Schule wird das Musical „Halleluja Billy“ gespielt. Nach alter Tradition wird der Erlös einem wohltätigen Zweck gespendet: Einem kleinen rumänischen Jungen kann so eine lebenserhaltende Operation ermöglicht werden.

 

1986
Im 75. Jahr seines Bestehens übernimmt Klaus Walther den 1. Vorsitz und das Amt des Oberspielleiters. Sein Vorgänger als Vorsitzender, Erwin Klemenz, wird auf Grund seiner langjährigen Verdienste Ehrenvorsitzender.

 

1989
„Ich bin begeistert“ ist der Titel eines Stückes, entspricht aber nicht der Stimmung der Elmarianer. Das Theater an der Goethestraße wird geschlossen, der Verein muss eine neue Spielheimat finden. Das Märchen wird künftig in der Stadthalle, andere Stücke im Büsing Palais aufgeführt.

 

1994
Im Deutschen Ledermuseum findet man eine neue spielerische Heimat und fühlt sich auf der Bühne dort wie zu Hause.

 

1995
Eine neue Kinder- sowie eine neue Jugendgruppe werden ins Leben gerufen. Seither findet im Kinderbereich eine beständige Arbeit statt, welche alle zwei Jahre eine Produktion hervorbringt.

 

1999
Mit „Aschenputtel“ kehrt ELMAR auf die Bühne in der Goethestraße zurück, im Capitol findet sich eine neue Heimat für das „Märchenland“ des Vereins.

 

2005
Das ehrenamtliche Engagement der Jugendleiter des Vereins wird mit dem Ehrenamtspreis der Stadt Offenbach für regelmäßige Gruppenangebote ausgezeichnet.

 

2006
Zum 95. Geburtstag widmet ELMAR den 10 Jahre älteren Kickers Offenbach, zusammen mit dem Lokalkolorit-Stück „der Fußballkönig“, eine Ausstellung im Deutschen Ledermuseum.

Der Ehrenvorsitzende Erwin Klemenz schließt für immer seine Augen, er hinterlässt eine große Lücke als Freund, Berater und Mahner.
Die Kindergruppe bringt „Die kleine Zauberflöte“, die Besonderheit hierbei ist, dass sich auch das Orchester aus Kindern und Jugendlichen zusammensetzt.

 

2011
Im Januar des Jubiläumsjahres erhält der Theaterclub ELMAR den Kulturpreis der Stadt Offenbach. Ab März lädt der Verein zu einer Ausstellung rund um das Theater und die Vereinsgeschichte in das Ledermuseum ein. Im Laufe des Jahres werden Veranstaltungen und Aufführungen rund um den 100. Geburtstag stattfinden. Höhepunkt ist eine Gala im Capitol.

100 Jahre Theaterclub ELMAR bedeutet:

  • über 250 Erwachsenenstücke
  • mehr als 55 Weihnachtsmärchen
  • unzählige Kinder- und Jugendstücke#
  • heute über 80 aktive Mitglieder davon rund 35 Kinder & Jugendliche
  • gefühlte 1 Millionen „helfende Hände“ in allen Bereichen

2012
Mit einem neuen Vorstandsteam um Simon Isser und Tilman Camphausen stellt sich der Verein für die Zukunft auf.

 

2013
Das ehrenamtliche Engagement der Jugendleiter des Vereins wird erneut mit dem Ehrenamtspreis der Stadt Offenbach für regelmäßige Gruppenangebote ausgezeichnet. Die ELMAR Werkstatt zieht um und in der Frankfurter Straße 93 bezieht der Verein ein neues Domizil für den Bau der Kulissen und den Kostümfundus.

 

2015
ELMAR ist Teil des ersten deutschen Volkstheaterfestivals „Wurzelwerk“ in Sulzbach/Saarland. Als Repräsentant der hessischen Mundart präsentieren wir den Schwank „Der kühne Schwimmer“ im Rahmen des Festivals.

 

2016

Zum 105. Jubiläum des Vereins ist ELMAR Ausrichter des deutschen Amateurtheaterfestivals „amarena“, welches erstmals in Hessen stattfindet. Fünf Sieger werden in der „Alten Schlosserei“ im Rahmen einer festlichen Gala geehrt. ELMAR Vorsitzender Simon Isser wird auf der in Offenbach tagenden Bundesversammlung zum Präsidenten des Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT) gewählt.

 

2017

Die ELMAR-Jugendgruppe wird für ihre Produktion "Die Welle" aus 2015 mit dem 1. Platz beim hessischen Jugendtheaterpeis des Verbands Hessischer Amateurtheater e.V. ausgezeichnet.